Mischa Wilcke
Mischa Wilcke über sich selbst:
Mischa Wilcke wurde 1976 in Kapstadt geboren und wuchs in Mainz auf.
Von 1998 bis 2003 studierte sie Literaturwissenschaft, Französisch und Politikwissenschaft in Marburg, Limoges und Berlin und arbeitete im Anschluss als freiberufliche Journalistin.
Seit 2008 ist sie in Potsdam angestellt und lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Berlin.
Sie will sich weiter wundern und wundert sich gleichzeitig, dass mancher das inzwischen völlig verlernt zu haben scheint, obwohl man ganz ohne Wunder doch das Sehenswerte übersieht. (Ihre kleine Tochter macht's ihr vor, erfindet die Welt neu, kramt vergessene Bedeutungen aus den Worten und sieht die Ameisen noch.) Als Sowohl-als-auch-Mensch staunt sie über jene, für die nur eine Entscheidung oder ein Weg unausweichlich richtig sind – ein bisschen beneidet sie jene aber auch darum.
Obwohl sie über Sammler den Kopf schüttelt, sammelt sie selbst Bücher, Pflanzen, Gedankensplitter, Gesehenes und Gehörtes, Berührendes oder Geschmackloses. Das muss sofort notiert werden, auf den nächsten Kassenzettel, die verbliebene Serviette oder den Fahrschein – und zwar so, dass zwischen dem gedachten Leser und dem erlebten Moment nur das geschriebene Wort steht, er sonst so dicht wie möglich dran ist.
Sie mag Leute mit Sprachakzent, im Regen barfuss laufen, die Crêpes im Roy D'Ys machen sie glücklich, sie mag die Vorsokratiker, wichtiger als das "Was" ist ihr das "Wie" in Büchern, schlagfertige Kassierer gefallen ihr, unterwegs sein auch, das Lied "Where is my mind?" während Marla und Tyler Hand in Hand Hochhäuser vor sich einstürzen sehen, Apple-Computer, sie steht lieber vor dem Meer als in den Bergen und sie würde gern loslassen können und Musik improvisieren.
Was sie nicht mag ist, wenn das Armband am Schwimmbadspind vom Vorgänger noch nass ist, sie kann nicht mit Zynikern und schreibt keine Geburtstagsbriefe, die von ihr erwartet werden, sie fürchtet, zu was Sarkozy noch fähig ist, mag keinen Zuckerguss auf Teigteilchen, kein Fingernagel-Design und ihr graut vor dem eisigen Windzug, der kurz vor der S-Bahn durch den Bahnhof fährt.
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