Cornelia Franke

Cornelia Franke Die häufigste Frage, die man mir während meiner Schulzeit stellte, war: "Was machst du da?"
"Ähm … Hausaufgaben" war wiederum meine Standardantwort. Schließlich konnte ich nicht verraten, dass ich in jeder freien Minute schrieb oder mir Notizen zu meinen Geschichten machte. Egal, wo ich mich befand, ob im Bus, während des Schützenfestes oder auf meiner Bank inmitten der Kornfelder – seitdem ich vierzehn bin, waren Stift und Papier meine ständigen Begleiter. Zunächst schrieb ich Fortsetzungen meiner Lieblingsreihen, später dachte ich mir eigene Fantasy-Geschichten aus.

Einer der ersten, der von meinem Wunsch erfuhr, Schriftstellerin zu werden, war mein jetziger Mann, welcher mich bis heute darin unterstützt. Er war es auch, der mich dazu ermutigte, den ersten Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen, in dem ich als Ziel in mein Abschlussjahrbuch schrieb: Meine Romane eines Tages in einer Buchhandlung stehen sehen.

Lange habe ich überlegt, was ich nach meinem Abitur mit meinem Leben anfangen sollte. Irgendeine Ausbildung oder ein Studium beginnen, um einen sicheren Weg zu beschreiten? Doch mein Mann riet mir, das in Angriff zu nehmen, was mir Spaß macht und bei dem ich mit vollem Herzen dahinter stehe. Denn ein Ziel, egal wie hoch gesteckt, ist erreichbar, wenn man nur daran glaubt. Und so zog ich keine zwei Wochen nach meinem Abschluss nach Berlin und widmete mich dem Verfassen von Geschichten. Diese zu weben ist für mich wie atmen, ein Grundbedürfnis, ein unterbewusster Drang. Handlungsstränge und Figuren zu entwickeln, sind meine persönlichen Abenteuer, bei dem ich nie weiß, was für fantastische Dinge mich hinter der nächsten Ecke erwarten.

Dennoch entstehen meine Geschichten aus dem Alltag heraus. Aus einem Traum über Flammenwerfer und entführte Mädchen wurde ein 500 Seiten langes Jugendbuch. Aus den Allergien meiner Schwiegermutter entwickelten sich die Allergomörder, Allergie-Attentäter. Aus regelmäßigen Fahrten vorbei an Löwenzahnfeldern entstand eine Geschichte über verzauberte Gartenzwerge, die ihre Wünsche mit den Samen von Pusteblumen in den Himmel schicken.

Bücher zu lesen und zu schreiben, dies ist zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden, da ich mittlerweile Literaturwissenschaft studiere (anstatt einfach 'irgendwas'), regelmäßig Schreibwerkstätten an Schulen abhalte und als freie Lektorin arbeite.

Weiterhin widme ich jede freie Minute dafür, bis mein Mann sich beklagt, ich sei mit meinem Laptop verwachsen. Denn ein Buch ist für mich ein kleines Wunder. Es bringt einem zum Lachen, zum Weinen, lehrt das Fürchten und teilt mit uns ein Stück seiner Weisheit. Das ist auch das Ziel, das ich mir mit meinen Geschichten gesetzt habe: meine Leser zu bewegen.


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