Marco W. Bruhin

Marco Bruhin wurde 1974, pünktlich am errechneten Geburtstermin geboren, was für einen Schweizer nicht weiter erstaunlich ist.

Der schelmisch grinsende Junge mit den unendlich vielen Flausen im sturen Kopf liebte Geschichten. Seit eh und je liefen diese wie Filme vor seinem inneren Auge ab. Zudem wurde sein Kassettenrekorder arg beansprucht. Allen Vorlesenden und Erzählungen lauschte er gebannt, musste aber neun werden, bis er endlich selbst ein Buch in die Hand nahm. Gefesselt las er es, doch wider Erwarten legte er es zur Seite, nahm kein Neues in die kleine Hand und widmete sich wieder seinen vom Bewegungsdrang bestimmten Aktivitäten.
Daneben genoss er es, seine durchweg originellen, in der Schule verfassten, Erzählungen von schweißfüßigen Bergriesen und anderen möglichen und unmöglichen Wesen seinen Klassenkameraden vorzulesen. Erntete er bei seinen Kollegen stets Applaus, lösten seine kommalosen, ein- bis zweiseitigen Dreisatztexte bei seinen Lehrern Rotstiftorgien aus, worauf er es bald bleiben ließ.
Hätte er mit zehn, beim ersten Kinobesuch seines Lebens, gewusst, dass die unendliche Geschichte nur ein unsägliche Verfilmung der ersten Hälfte eines fantastischen Buches ist, hätte er vermutlich sogar zum zweiten Mal einen dieser Schätze verschlungen. Doch so musste er erwachsen werden, um das Buch zu lesen. Jetzt begriff auch er, dass die Bilder der eigenen Fantasie unschlagbar sind.
Erst durch seinen Sohn, der wie sein Vater einst Erzählungen liebt und dem er und seine Frau zig Bücher vorgelesen hatten, wurde die Leidenschaft, die eigenen Bilder für andere zugänglich zu machen, wieder geweckt und er fand zum Schreiben.
Selbst oft fasziniert, wie sich Handlung und Personen entwickeln, geht er darin auf, einen Ausschnitt des Lebens mit seinen Protagonisten zu teilen. Wie ein Weg entsteht, indem er gegangen wird, wachsen seine Geschichten mit jedem Wort bis zum Buch.

Obwohl es bei ihm in der Zwischenzeit mit der Pünktlichkeit nicht mehr immer so weit her ist, wurde ihm der rote, biometrische Pass mit dem weißen Kreuz noch nicht aberkannt. So genießt er das Leben mit seiner Familie zwischen Bergen, Reben und Sonne in der schönen Schweiz.


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